Brigitte Funk beschäftigt sich mit ihrem neuen Artikel über die Geschichte der Beilsteiner Landfrauen.

(Land)-Frauen auf dem Land und in der Stadt

 

Land Frauen bringen die Interessen und Anliegen von Frauen und ihren Familien in der Öffentlichkeit zu Gehör. Im ständigen Dialog mit der Politik setzen sie sich auf regionaler Ebene, in Dörfern, Gemeinden, Städten und Landkreisen, und auf Landes- und Bundesebene auch überregional für die Belange der Frauen und ihrer Familien ein.

Land Frauen nehmen Stellung zu gesellschaftsrelevanten und aktuellen politischen Themen und fordern die Verantwortlichen zum Handeln auf. Sie weisen auf Missstände hin und tragen mit Aktionen und Projekten zu ihrer Beseitigung bei.

Bildung ist der Schlüssel zu mehr Wissen, mehr Kompetenz und mehr Selbstbewusstsein. Der Land Frauenverband Hessen bietet seinen Mitgliedern und allen interessierten Frauen im größten Bildungsnetzwerk im ländlichen Raum Seminare, Kurse und Workshops für die persönliche Weiterbildung, Fort- und Weiterbildungen für den Beruf oder die ehrenamtliche Arbeit im Verein, Vorträge und Informationsveranstaltungen zu aktuellen Fragen. (Quelle: Landfrauen-Hessen)

 

 

Der Landfrauenortsverband Beilstein/Haiern ab 1953

Ein Bericht von Brigitte Funk

 

Drei Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges wurde wieder ein Landfrauenverein in Deutschland gegründet. Somit blieben die Ziele von Elisabeth Böhm erhalten und wurden von der Gräfin Marie Luise Leutrum von Ertringen neu erweckt – so auch in unserer Region.

Nach kurzer Tätigkeit von Frau Pfannmüller (Lehrerin an der Landwirtschaftlichen Schule in Herborn), war es vor allem Irene Kramm, (Studienrätin an der Landwirtschaftlichen Schule in Herborn), die sich unermüdlich für die Neugründung des Bezirksvereins Herborn einsetzte. Sie war es auch, die erste Mitglieder durch Besuche warb. („Klinkenputzen“).

Schließlich schaffte sie es, dass sich 23 Frauen aus dem ehemaligen Dillkreis zusammenschlossen. Dazu gehörten auch: Laura Martell, Anna Thorn, und Emmi Funk aus Beilstein/Haiern, die den Landfrauenbezirksverein (LFBV) gründeten. Einige Jahre später, Anfang der 1950 er bildeten sich die ersten Landfrauenortsvereine, zu denen jeweils 10 Mitglieder gehören mussten. Das waren meistens Frauen der Ortslandwirte oder Mütter von Schülerrinnen/Schüler der Landwirtschaftlichen Schule in Herborn.

 

Emmi Funk aus Haiern/Beilstein übernahm dieses Amt. Nachweislich wurden auch Lieselotte Schmidt, Helga Hof, Liesel Schaffarz ab 1953 Mitglied LFOV. Beilstein/Haiern.

 

Zu dieser Zeit bot Frau Kramm (Geschäftsführerin) Kochkurse an der Landwirtschaftlichen Schule in Herborn an. (Auch für Nichtmitglieder).

Die Kurse waren sehr beliebt und gut besucht. Dadurch gewann man viele Mitglieder.

Die Bezirksvorsitzende war Hedwig Schaub aus Roth, ihr folgten: Emmi Funk aus Beilstein/Haiern, Luise Petry aus Guntersdorf, Marie Reeh aus Wissenbach und Ingelore Hüsken aus Gusternhain, die das Amt von 1982 bis zum Jahr 2013 innehatte. Daniela Rompf aus Dillenburg übernahm für weitere 2 Jahre die Verantwortung, ehe erstmals ein Vorstands-Team gewählt wurde. Aus dieser Organisation ging Anneliese Kaltenbach aus Rabenscheid als Geschäftsführerin hervor. Diesen Posten begleitet sie noch heute.

In Haiern traf man sich oft im privaten Kreis bei der Lehrersfrau Laura Martell, die zu dieser Gelegenheit gerne selbstgemachten Heringssalat kredenzte. Da die Landfrauen im Sommer wenig Zeit hatten, organisierte die Ortsvorsitzende über den Bezirksverein die Vorträge und Kurse im Winter. Anfangs wurde noch Wolle gesponnen und Stickkurse von Frau Spieß aus Biedenkopf durchgeführt (Hessenstickerei). Später kamen Schattenstickerei und Hardanger Stickerei hinzu. Makramee und Weideflechtkurse folgten. Man plante gemeinsame Fahrten, so z. B. eine Besichtigung des Handwerkmuseums in Tringenstein.

 

Viele Ältere Mitglieder erinnern sich noch heute gerne daran: „Durch den LFBV. haben wir viel gelernt und auch gesehen!“ Die Kochkurse, die meistens in den Küchen der Ortsvorsitzenden abgehalten wurden, leiteten später ausgebildete Hauslandwirtschaftsfrauen.

Vorträge übers Einkochen und Einfrieren von Gemüse, Obst und Fleischwaren wurde angeboten. Über den richtigen Umgang mit dem Waschmittel „Persil“ wurden die Landfrauen von einem Vertreter aufgeklärt, denn die ersten Waschmaschinen wurden ausschließlich von Spezialgeschäften angeboten. Die Bedienung eines Kaffeeautomaten von 15 bis 120 Tassen erlernten die Landfrauen in Haierner Martin-Luther-Haus.

 

Eine vorrausschauende Jahresplanung, die heute noch Bestand hat, weckte bei vielen Mitgliedern ein großes Interesse an Fort- und Weiterbildung.

Ab Mitte der 1950 Jahre begannen dann die Bildungsreisen der Landfrauen. Zuerst innerhalb des alten Dillkreises, u. a. Juno Werke Burg. Eine Fahrt zu den Stollwerken nach Köln - verbunden mit einer Dampferfahrt auf dem Rhein – folgte. 1961 wagte man sich erstmals gemeinsam ins Ausland (Holland). Eine Stadtrundfahrt in Amsterdam, einer Grachtenrundfahrt sowie die Besichtigung des Keukenhofs standen auf dem Programm. Noch heute ist diese Fahrt für viele ein unvergessliches Erlebnis. Ab dem Jahr 1959 gab es auch Mitgliedskarten für die Landfrauen. Der jährliche Betrag wurde auf 6 DM begrenzt und musste bei Frau Kramm in Herborn entrichtet werden.

Ab 1975 wurden dann vom LFV. Hessen/ Friedrichsdorf Studienfahrten angeboten: Bundesgartenschau nach Berlin im Jahr 1985 und eine Reise nach Paris. 1988 fuhr man gemeinsam in das Salzbergwerk nach Berchtesgaden und auch eine Reise nach Ungarn gab neue Einblicke in eine andere Kultur.

Die Gemeinschaft des Ortsvereins Beilstein/Haiern zeichnete sich dadurch aus, dass man auf vielfältige Weise dem sozialen Gedanken gerecht wurde.

 

Dieser Ortsverein wurde im Jahr 1953 von Emmi Funk aus Haiern gegründet und bis zum Jahr 1989 geleitet. Er war zu dieser Zeit eine große Stütze für die Gemeinde. Die Landfrauen waren bemüht, eine entstandene Lücke in sozialen Bereich möglichst schnell zu schließen.

Vorsitzend waren ab 1953 in Beilstein/Haiern: Emmi Funk, Liesel Schaffarz, Linda Kuhnhold, Gretel Becker, Ellen Philipps, Petra Worsdörfer und Silvia Börner-Knetsch.

Mitglieder des LFOV. Beilstein/Haiern die Emmi Funk in den 1970 Jahren notierte, waren: Margot Piskator, Elli Trapp, Inge Jung, Anna Thorn, Käthe Thorn, Marta Link, Erna Thorn, Hannelore Knaus, Lieselotte Schmidt, Liesel Schaffarz, Helga Hof, Margot Sattler, Erika, Schnell, Anita Lehnhard, Luise Lehwalder, Henni Schmidt, Emmi Funk.

Die ortansässigen Landfrauen halfen bei der Bewirtung des von der Gemeinde organisierten Altennachmittags. Sie brillierten auch mit Sketschen und Gedichten. Oft übernahmen sie auch die Bedienung der Kaffeetafel nach Beerdigungen im Gemeindehaus.

Auf dem Woll-und Krammarkt und am Kirmessonntag backten sie Waffeln für die Gäste. Den Gewinn bekam die Jugendfeuerwehr sowie der Kindergarten in Beilstein, um neue Spielgeräte zu kaufen. In den 1970/80 er Jahren fuhr die gesamte Mannschaft der Ortsfrauen nach Lich zu Krebsvorsorge. Zuerst mit dem Zug, später wurden die Damen persönlich von Alwin Betz (Busunternehmer von Arborn) dorthin kutschiert, auch an seinem 50. Geburtstag. Darüber hinaus durfte natürlich auch die Geselligkeit nicht fehlen.

Die Vorsitzende organisierte jährlich 1-2 Wanderungen, wobei dann immer

Lieder aus dem „Landfrauenliederbuch“ angestimmt wurden.                 

Der Kontakte zu den Nachbarvereinen waren sehr herzlich.                          

 

Die Weihnachtsfeier, meist die letzte Veranstaltung im Jahr, fand öfters in der Gaststätte Becker-Jakob statt. In den Wintermonaten lud Erna Thorn regelmäßig bei sich zu Bastel-und Handarbeitsabende ein.

Diese exemplarischen Besonderheiten wurden dann an einem Oster-oder Weihnachtsbasar ausgestellt und verkauft. Viele Besucher bewunderten die Leistungen der Landfrauen, die zurecht als „fleißige Bienen“ bezeichnet wurden. Die Damen hatten auch für Kaffee und Kuchen gesorgt.

Der Erlös von 500 DM bekam Pfarrer Neumeister für Renovierungen am Martin-Luther-Haus.

Auch der allgemeine Wunsch nach einer Leichen-Klimatruhe der Friedhofskapelle in Haiern wurde von den Landfrauen umgesetzt. Anita Lehnhard und Linda Kuhnhold waren es, dir nicht lange fackelten. Sie sammelten in Haiern und es kamen ein Betrag von 5175 DM zusammen. Der Scheck wurde dann Bürgermeister Schulz im Jahr 1996 zur Anschaffung der Klimatruhe überreicht.

Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsleben der Ortslandfrauen von Beilstein/Haiern war der überraschende Besuch des hr-Fernsehns im Ort.  (1997) „Stricken in der ersten Reihe“ war Motto mit dem Redakteur Lutz Weber aufgewartet. 5 Landfrauen stellten verschiedene Stricktechniken vor.

Ende der 1990 Jahre ging man mit dem LFOV-Rodenberg eine Fusion ein. Gretel Becker arbeitet ab diesem Zeitpunkt im Beilsteiner/ Haiener Vorstand mit.

Trotz steigender Mitgliederzahlen in den 1990 Jahren sank das Interesse ab dem Jahr 2000 spürbar. Aus altersstrukturellen und krankheitsbedingten Gründen wurde der Ortslandfrauenverein Beilstein/ Rodenberg zum 01.04.2004 aufgelöst.

 

Beilstein im Oktober 2020