Schorbmous Essen, die Frauen der Spennstobb haben ein altes Gericht wieder neu entdeckt.

 

Schorbmous-Essen am 8. Februar 2014

 

In den letzten Jahren hat der Beilsteiner Heimat- und Geschichtsverein eine Veranstaltung etabliert, auf die sich schon viele Leute nicht nur in Beilstein freuen. Es ist das Schorbmous-Essen im Winter.

 

Früher war dies ein ganz gewöhnliches deftiges Eintopfgericht, das es in vielen Westerwälder Haushalten im Winter häufiger gab, heute ist es schon ein spezielles Ereignis, wenn so ein Schorbmous-Essen angeboten wird. Das liegt auch an der vielen Arbeit und Vorbereitung, die dafür nötig ist.
Schon im vergangenen Oktober haben etliche Frauen und Männer einen Nachmittag lang verschiedene Sorten Kraut grob geschnitten und dann das Gemisch von Weißkraut, Wirsing und Grünkohl mit Salz fest in Steingutbehälter gepresst.

 

Die standen seitdem, gut abgedeckt und regelmäßig kontrolliert im kühlen Keller von Simons Haus, wo das Kraut eine Milchsäuregärung wie Sauerkraut durchmachte. Das Ergebnis kann nun am Samstag dem 8. Februar im Beilsteiner Dorfgemeinschaftshaus genossen werden.

 

Ab 12 Uhr gibt es einen deftigen Eintopf mit Schorbmous und Kartoffeln, vorweg eine kräftige Fleischsuppe und dazu eine ordentliche Fleischportion. Wer will, kann auch, wie es schon in den letzten Jahren Viele machten, entsprechende Gefäße mitbringen und das Mittagessen für die ganze Familie mit nach Hause nehmen.
 

Seit Jahren ist der Andrang immer größer geworden, weil inzwischen auch viele auswärtige Besucher von Haiger bis Wetzlar die Westerwälder Spezialität zu schätzen wissen, die es nur im Winter gibt. Weil die Nachfrage so groß ist, ist eine Vorbestellung nicht möglich, sondern es wird verkauft, so lange der Vorrat reicht. Die Frauen der Spennstobb, die das Essen wie in jedem Jahr vorbereiten, laden herzlich dazu ein.

 

Bei dem kalten Winterwetter am letzten Samstag freuten sich deshalb schon viele auf eine deftige Mahlzeit. So war es auch kein Wunder, dass im Beilsteiner Dorfgemeinschaftshaus schon vor 12 Uhr fast alle Tische besetzt waren und an der Ausgabe zum Mitnehmen eine lange Schlange anstand. Der Grund dafür war das inzwischen schon zur Tradition gewordenen Schorbmous-Essen des Beilsteiner Heimat- und Geschichtsvereins. Schon seit 5.30 Uhr standen die Frauen der Spinnstobb in der Küche, um 15 Kilo Kartoffeln und jede Menge eingelegtes Gemüse und gekochtes Fleisch zu über 120 Portionen Schorbmous zu verarbeiten.

 

Im Saal war jeder Platz besetzt und die Schlange derjenigen, die mit Gefäßen sich ihr Mittagsessen nach Hause holten, reichte bis zur Tür. Nicht nur aus Beilstein, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung kamen die Gäste, die diese Westerwälder Spezialität genießen wollten.
Als Vorspeise hatte Christel Menger eine deftige und gehaltvolle Graupensuppe gekocht, die auch auf begeisterten Zuspruch stieß. Wer wollte, konnte sich auch noch eine zweite Portion Suppe nehmen, eine Möglickeit, von der viele Gebrauch machten, obwohl die Schorbmousportionen sehr reichlich waren.

 

Aber es schmeckte einfach zu gut und man bekommt es auch nur einmal im Jahr. Beim Beilsteiner Umwelttag im Oktober wurde das Gemüse - Weißkraut, Wirsing und Grünkohl - grob geschnitten mit Salz in die Tonfässer eingestampft und konnte dann im kühlen Keller von Simons Haus langsam reifen, ehe es zum deftigen Wintereintopf verarbeitet wurde. Bisher wurde jedes Jahr mehr Kraut verarbeitet, aber es ist bisher noch nichts übrig geblieben. Die vielen fleißigen Helferinnen in der Küche und beim Servieren konnten froh sein, dass sie zum Schluss auch noch etwas bekamen, so groß war die Nachfrage.